Angst  

Definition

Grundlegend ist eine Angst definiert als ein ungerichtetes Gefühl von Erregung oder Verzweiflung.[5] Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert anhand verschiedener Symptome Angstörungen weiter in Folgende Kategorien:[19] Phobische Störungen, Zwangserkrankungen, Reaktionen auf schwere Belastungen/Anpassungsstörungen und sonstige Angststörungen. Weiter kann Ängstlichkeit als Persönlichkeitsmerkmal verstanden werden.[10]

Angst im sportlichen Kontext

Im sportlichen Kontext ist Angst meist negativ konnotiert und kann als „gedankliche Vorwegnahme einer bedrohlichen Situation, die unter Umständen eintreten könnte oder schon einmal eingetreten ist“ definiert werden.[20] Dabei ist das Ausmaß der Angst abhängig von der individuellen kognitiven Bewertung der Situation. Diese wiederum ist abhängig von den Kenntnissen in der jeweiligen Technik und Taktik, welche für die Situation entscheidend sind, und den Kenntnisse über die örtlichen Gegebenheiten.[22] Die Angst kann dabei als Unsicherheit, Nervosität, Beklemmung, Unruhe, Furcht oder Entsetzen wahrgenommen werden.[8]

Angst beeinflusst die Herangehensweise der Sportler an (neue) Situationen. Da der Sportler häufig mit neuen Situationen konfrontiert wird, gehen ängstliche Sportler eine Herausforderung vorsichtiger an, als ein weniger ängstliche Sportler.

Diagnostik

Die Art und Schwere der Angst ist mithilfe von Checklisten, standardisierter Interviews und Verhaltenstests (z.B. Sportangstdeutungsverfahren (SAD);[4] Fragebogen zur Handlungsorientierung im Sport (HOSP)[10]) diagnostizierbar.[10] Hierbei werden meist fünf Angstdimensionen unterschieden. Diese Dimensionen beinhalten die Angst vor körperlicher Verletzung, vor Misserfolg, vor Konkurrenz, vor Blamage und die Angst vor Unbekanntem.[21] Anhand dieser Klassifizierung können verschiedene Bewältigungsmöglichkeiten zum Aufarbeiten angst-auslösender Faktoren abgeleitet werden.

Angst und Leistungsfähigkeit

In Bezug auf die Leistungsfähigkeit lässt sich feststellen, dass Angst bereits vor der tatsächlichen Aufgabenbewältigung einen Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg hat.[15] Das Empfinden von Angst muss also kontrolliert werden. Inwieweit einem Athleten dies gelingt ist abhängig von den individuellen Fähigkeiten zur Emotionsregulation, der Motivation und Einstellung.[12] Kann die Angst nicht kontrolliert werden, können Symptome wie Zittern, Übelkeit, Blässe, ein erhöhter Puls, verminderte Koordination, Verkrampfungen und ein genereller Leistungsabfall und schließlich passives und/oder aggressives Verhalten die Folge sein.[20]

Ein gesundes Maß an Angst im Sport kann jedoch auch dienlich im Sinne einer Schutzfunktion sein.[2] Weiter kann Angst sich positiv im Sinne von erhöhter Fürsorge auf beispielsweise den Heilungsprozess in der Rehabilitation auswirken.[13]

Verletzungsangst

Gerade im Sport ist die Angst vor (erneuten) Verletzungen weit verbreitet.

Die Angst vor einer erneuten Verletzung kann aus bio-psychologisch-sozialer Sicht Folgendermaßen erklärt werden: Eine Verletzung verunsichert den Athleten und wirft ihn in seinem Selbstkonzept und seiner Leistungsfähigkeit zurück. Dies wiederum bedingt ein fehlerhaftes sportliches Handeln und erhöht damit die Verletzungsgefahr.[13]

Therapiemöglichkeiten im Sport

Häufig wird in der Therapie auf eine Kombination von Pharma- und Psychotherapie zurückgegriffen. Inzwischen verweist die Literatur aber vermehrt auf die Effektstärke der Verhaltenstherapie als Ergänzung oder gar Ersatz der Medikation[11][18][19] Gerade bei hemmender, wiederholt auftretender Angst sollte die Unterstützung eines (Sport-)Psychologen in betracht gezogen werden.[1]

Um die Leistung möglichst wenig durch eine Angst zu beeinflussen, kann das regelmäßige Durchführen von mentalen Trainings- und Entspannungsmethoden empfohlen werden.[1][3][6][16][17] Auch die Anregung kognitiver und emotionaler Regulationsmechanismen scheint vielversprechend.[11][18] Im Mittelpunkt stehen dabei die Stärkung des Selbstvertrauens und der positiven Gedanken des Sportlers. Gut nachweisbare Erfolge werden auch mit der Systematischen Desensibilisierung erreicht, indem angsterzeugende Reize mit angsthemmenden Reaktionen (also von dem Athleten als positiv bewertete Reaktionen) verknüpft werden.[7]

Präventiv erscheint eine (sport-)psychologische Betreuung aller Athleten sehr sinnvoll und empfehlenswert. So können frühzeitig die Angsttoleranz und -kontrolle trainiert werden, um einer Leistungsminderung durch mentale Blockaden oder dem dadurch bedingten Ausstieg aus dem Sport vorzubeugen.

 

Einzelnachweise

  1. Baumann, S. (2009). Psychologie im Sport. [psychische Belastungen meistern, mental trainieren, Konzentration und Motivation] (5., überarb. Aufl). Aachen: Meyer und Meyer.
  2. Baumann, S. (2011). Psyche in Form. Sportpsychologie auf einen Blick (1. Aufl). Aachen: Meyer & Meyer.
  3. Beckmann, J. & Elbe, A.-M. (2008). Praxis der Sportpsychologie im Wettkampf- und Leistungssport. Balingen: Spitta.
  4. Beckmann, J. & Wenhold, F. (2009). Handlungsorientierung im Sport. Manual zur Handlungsorientierung im Sport (HOSP) (1. Aufl). Köln: Sportverl. Strauß.
  5. Büchin-Wilhelm, I. & Jaszus, R. (2011). Fachbegriffe für Erzieherinnen und Erzieher (7., neu bearb. und erg. Aufl). Stuttgart: Holland + Josenhans.
  6. Budinger, H. & Hahn, E. (1990). Bedingungen des sportlichen Wettkampfes, 18. Schorndorf: Hofmann.
  7. Flöttmann, H.B. (2005). Angst. Ursprung und Überwindung (5., überarb. und erw. Aufl). Stuttgart: Kohlhammer.
  8. Hackfort, D. (1986). Theorie und Analyse sportbezogener Ängstlichkeit. Ein situationsanalytischer Ansatz (Bd. 18). Schorndorf: K. Hofmann.
  9. Hackfort, D. (1986). Theorie und Analyse sportbezogener Ängstlichkeit. Ein situationsanalytischer Ansatz (Bd. 18). Schorndorf: K. Hofmann.
  10. Hoyer, J. (Hrsg.). (2003). Angstdiagnostik. Grundlagen und Testverfahren ; [mit 51 Tab.]. Berlin, Heidelberg [u.a.]: Springer.
  11. Keck, M.E., Ropohl, A., Rufer, M., Hemmeter, U.M., Bondolfi, G., Preisig, M., Rennhard, S., Hatzinger, M., Holsboer-Trachsler, E., Hättenschwiler, J. & Seifritz, E. (2011). Die Behandlung der Angsterkrankungen. Teil 1: Panikstörung, Agoraphobie, generalisierte Angststörung, soziale Phobie, spezifische Phobien - Zurich Open Repository and Archive. Schweiz Med Forum, 11 (34), 558–566.
  12. Kleinert, J. (2002). An approach to sport injury trait anxiety: Scale construction and structure analysis. European Journal of Sport Science, 2 (3), 1–12.→ https://www.researchgate.net/publication/246474430_An_approach_to_sport_injury_trait_anxiety_Scale_construction_and_structure_analysis
  13. Kleinert, J. & Kirchhof, O. (Hrsg.). (2003). Erfolgreich aus der sportlichen Krise. Mentales Bewältigen von Formtiefs, Erfolgsdruck, Teamkonflikten und Verletzungen. München, Wien, Zürich: Blv.
  14. Kleinert, J. & Hermann, H.-D. (2007). Umgang mit Verletzungen aus sportpsychologischer Sicht. Leistungssport, 37 (2), 43–49.
  15. Kogler, A. (2006). Die Kunst der Höchstleistung. Sportpsychologie, Coaching, Selbstmanagement. Vienna: Springer-Verlag/Wien.
  16. Luiselli, J.K. & Reed, D.D. (2011). Behavioral Sport Psychology. New York, NY: Springer New York.→ http://www.springer.com/gp/book/9781461400691
  17. Mayer, J. & Hermann, H.-D. (2011). Mentales Training. Grundlagen und Anwendung in Sport, Rehabilitation, Arbeit und Wirtschaft ; mit 3 Tabellen (2., vollst. überarb. Aufl). Berlin, Heidelberg, New York, NY: Springer Medizin.
  18. Pöldinger, W. & Fehlbaum, D. (Hrsg.). (1988). Angst und Angstbewältigung (1. Aufl). Bern u.a: Huber.
  19. Scherer, J. (2002). Angststörungen nach ICD-10. Manual zu Diagnostik und Therapie. Darmstadt: Steinkopff.
  20. Schmidt, A. (2012). Mountainbiketraining. Für Anfänger und Profis ; [Trainingspläne für das ganze Jahr ; optimales Trainingsmanagement ; Kraft- & Mentaltraining] (5., überarb. Aufl). Aachen: Meyer & Meyer.
  21. Vormbrock, F. (1983). Diagnostizierbarkeit von Angst. Untersuchungen zur Trait-Angst-Diagnostik für die Verhaltensvorhersage in Sportsituationen (Sonderbd. 3) (1. Aufl). Köln: BPS-Verlag.
  22. Wördehoff, M. (2010). Mountainbike. Freeride - Downhill - Bikepark - Tour (1. Auflage). Stuttgart: pietsch.