Desmodromisches Training  

Bei desmodromischem Training handelt es sich um eine noch relativ junge Methode des Krafttrainings, welches nur an speziellen computergesteuerten Maschinen mit geführter Bewegung realisierbar ist[1]. Dabei baut der Athlet einen ständigen Druck gegen eine Widerstandsleiste auf, welche mit eingegebener Geschwindigkeit die Bewegungsamplitude vorgibt[1].

Basierend auf einer positiv und negativ dynamischen Arbeitsweise, verändert das Trainingsgerät die Belastung in der exzentrischen Phase (entsprechend einer supramaximalen Krafteinwirkung) bei einem Kraftausdauertraining um den Faktor 2,3 zur konzentrisch einwirkenden Last, und um den Faktor 1,9 für ein Maximalkrafttraining [2]. Aufgrund der Tatsache, dass die maximal willkürlich zu entwickelnde Kraft in der exzentrischen Muskelaktion höher ist als bei einer überwindenden Kontraktion [3], wird während einer konventionell ausgeführten Übungseinheit das Energiepotenzial in der nachgebenden Arbeit nicht weiter konsequent ausgeschöpft [4]. Dem gegenüber resultiert aus einem desmodromischem Krafttraining eine vollständige Auslastung der trainierten Muskulatur, denn ohne die Möglichkeit einer kurzzeitigen erholenden Spannungsreduzierung an den Umkehrpunkten einer Bewegung wird die Resynthese von ATP aus Kreatinphosphat verhindert. Somit wird aufgrund der positiv und erschwert negativ dynamischen Arbeitsphase eine vollständige Ausschöpfung der muskulären ATP-Vorräte erreicht. Diese hochgradige Spannungsbelastung (hoher ATP-Umsatz) führt sowohl zu einer Rekrutierung, als auch zu einer Ermüdung von allen Muskelfasern. In diesem Zusammenhang kann eine besonders ausgeprägte Muskelhypertrophie als Trainingsergebnis festgestellt werden. Es gibt Anzeichen dafür, dass durch desmodromisches Training vermehrt die Genexpression für Typ II Muskelfasern angeregt wird[4] und scheint daher insbesondere für Sportarten mit einem hohen explosivkräftigem Anteil interessant zu sein [5].

Aufgrund der hohen Gefahr einer akuten Überlastung und strukturellen Schädigung des aktiven Bewegungsapparates, sollte diese Art des Krafttrainings lediglich von erfahrenen Athleten für spezifisch unterstützende Trainingsmaßnahmen zur Leistungsoptimierung genutzt werden, wie auch im Rahmen der Forschung weiterhin Anwendung finden. Besonders geeignet ist der Einsatz auch in der rehabilitativen Therapie, um nach Verletzungen des Bewegungsapparates die atrophierte Muskulatur wieder aufzubauen. Eine Einbindung dieser aufwendigen und kostenintensiven Trainingsgeräte in den Breitensport entfällt, da bisher nur eine geringe Auswahl an eingelenkigen und mehrgelenkigen Maschinen zur Verfügung steht, und diese zudem nicht für kommerzielle Zwecke geeignet und zugänglich sind.

Einzelnachweise

  1. Friedmann, B., (2007). Muscular adaptions to different strength training methods. DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN (58)→ http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/fileadmin/content/archiv2007/heft01/11-18.pdf
  2. Hollmann, W. and H.K. Strüder, Sportmedizin2009: Schattauer Verlag
  3. Komi PV, Vitasalo JT: Changes in motor unit activity and metabolism in human skeletal muscle during and after repeated eccentric and concentric contractions. Acta Physiol Scand 100 (1977) 246-254.→ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/888714
  4. Friedmann, B., Kinschert, R., Vorwald, S., Müller, H., Kucera, K., Borisch, S., Richter, G., Bärtsch, P., Billeter, R. (2004) . Muscular adaptations to computer-guided strength training with eccentric overload. Acta Physiol Scand, 182, 77-88→ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15329060?dopt=Abstract
  5. Friedmann-Bette, B., et al., (2009). EVects of strength training with eccentric overload on muscle adaptation in male athletes. Eur J Appl Physiol (2010) 108:821–836→ http://www.mvclinic.es/wp-content/uploads/Friedmann-Bette-et-al-2010.pdf