Handlungsorientierung  

Handlungsorientierung als Konstrukt

Handlungsorientierung ist ein Konstrukt der Persönlichkeits-System-Interaktionen-Theorie (PSI-Theorie).[1] Bei der PSI-Theorie handelt es sich um eine integrative Theorie der Psychologie über Motivation und Persönlichkeit. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Interaktion von kognitiven und emotionalen Prozessen,  die zur effektiven Emotionsregulation und Verhaltenssteuerung beitragen.

Handlungsorientierte Personen zeichnen sich dadurch aus, auch unter Stress in der Lage zu sein, positive und negative Affekte flexibel und situationsangepasst herauf- und herabzuregulieren. Sie können auf komplexe Prozesse wie Volition zurückgreifen und ihre Ziele daher effektiv umsetzen. Koole & Jostmann (2004) konnten zeigen, dass der Zugang zu den eigenen Emotionen und die Fähigkeit der Emotionsregulation in handlungsorientierten Personen stark ausgeprägt sind.[2]

Handlungsorientierung und Sport

Ein hohes Maß an Handlungsorientierung hat für Sport funktionalen Charakter: Beckmann & Kazén (1994) fassen zusammen, dass Sportler besonders starke Ausprägungen von Handlungsorientierung aufweisen, da die Fähigkeit zur Selbstregulation grundlegender Bestandteil von Disziplin im Training darstellt.[3] Beispielsweise hatten handlungsorientierte Skifahrer in einer Studie weniger Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit auf den Wettkampf zu richten als lageorientierte Skifahrer.[4]

Messung von Handlungsorientierung

Handlungsorientierung wird anhand des Fragebogens HAKEMP 90 auf Basis von Selbstauskunft erhoben.[5] Der HAKEMP 90 umfasst insgesamt 24 Items, die auf zwei Skalen gemessen werden: 1) Handlungsorientierung nach Misserfolgserfahrung (HOM) und 2) Handlungsorientierung bei der Tätigkeitszentrierung (HOT).

HOM hat den Gegenpol Lageorientierung. Die HOM-Skala stellt Leistungsdefizite nach einer Misserfolgserfahrung dar. Dies bedeutet, dass Lageorientierte in solchen Fällen weniger Kontrolle über ihre Kognitionen und Emotionen haben. Dies wirkt sich wiederum negativ auf die Bearbeitung von Aufgaben und das weitere Verfolgen von Zielen nach einem Misserfolgserlebnis aus.

Beispiel-Item: „Wenn ich bei einem Wettkampf verloren habe, dann denke ich bald nicht mehr daran“

HOP hat den Gegenpol Lageorientierung, Zögern. Bei Handlungsorientierten auf dieser Skala ist der Zusammenhang zwischen Intention und Ausführung höher als bei Lageorientierten, sie können also Vorhaben und Pläne besser in die Tat umsetzten.

Beispiel-Item: „Wenn ich etwas Wichtiges, aber Unangenehmes zu tun habe dann lege ich meist sofort los“

Eine dritte Skala ist die Handlungsorientierung bei der Tätigkeitszentrierung (HOT), mit dem Gegenpol Aktionismus. Diese Skala unterscheidet sich von den anderen beiden Skalen deutlich und wird daher nicht zur Berechnung eines Gesamtscores verwendet. Sie misst den Bereich des Aufgehens in einer Tätigkeit. Handlungsorientierte lassen sich bei der Bearbeitung von Aufgaben weniger von irrelevanten Reizen ablenken und verfolgen. Daher arbeiten sie bei komplexen Problemstellungen effizienter und sind dabei zuversichtlicher als Lageorientierte.

Beispiel-Item: „Wenn ich mich lange Zeit mit einer interessanten Sache beschäftige, dann gehe ich meist so in der Sache auf, dass ich gar nicht daran denke, wie sinnvoll sie ist“

 Jede Skala umfasst 12 Items, die im Format des Situational Judgement bestehen. Dazu werden zwei Antwortalternativen (engl: Forced Choice) gegeben, die den Polen Handlungsorientierung und Lageorientierung entsprechen. Kuhl (1994) empfiehlt, die Skala HOT jedoch nicht in einen Gesamtscore einzurechnen, da sie im Vergleich zu HOM und HOP zu stark von anderen Variablen beeinflusst wird.[5] Daher findet die Auswertung nach einem Gesamtscore der HOM- und HOP-Skalen und separat nach der HOT-Skala statt.

Der Test ist bei Jugendlichen ab einem Alter von 12 Jahren und Erwachsenen  anwendbar.

Maße zur internen Konsistenz oder andere Reliabilitätsmaße, sowie Itemkennwerte wurden bislang nicht berichtet; um Überprüfung wird jedoch gebeten.[5]

Einzelnachweise

  1. Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit : Interaktionen psychischer Systeme. Göttingen: Hogrefe.
  2. Koole, S. L., & Jostmann, N. B. (2004). Getting a Grip on Your Feelings: Effects of Action Orientation and External Demands on Intuitive Affect Regulation. Journal of Personality and Social Psychology, 87(6), 974–990.→ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15598118
  3. Beckmann, J., & Kazén, M. (1994). Action and state orientation and the performance of top athletes. In J. Kuhl & J. Beckmann (Hrsg.), Volition and personality. Action versus state orientation (S. 439–451). Göttingen: Hogrefe & Huber.
  4. Beckmann, J., & Hazlett, S. (1989). Facilitating and inhibiting thoughts during competition: A study with cross-country skiers and ski jumpers. Unpublished manuscript, Max-Planck-Institut für psychologische Forschung, München.
  5. Kuhl, J. (1994). Action versus state orientation: Psychometric properties of the Action Control Scale (ACS-90). Volition and personality: Action versus state orientation, 47, 56.