Point-of-care-testing  

Definition

Point-of-care-testing (POCT) ist ein Begriff aus der klinischen Diagnostik und steht im deutschen Sprachgebrauch für die „patientennahe Labordiagnostik“, die als die Anwendung laboratoriumsmedizinischer Verfahren in unmittelbarer Nähe des Patienten verstanden wird. Bislang existiert noch keine einheitliche, allgemein gültige Definition und es sind verschiedene in Gebrauch: „patientennahe Sofortdiagnostik“, „bedside testing“, „near patient testing“ oder „decentralized testing“. International hat sich jedoch der Begriff „Point-of-Care-Testing“ weitestgehend durchgesetzt .[1]

POCT stellt im Gegensatz zu den Messmethoden eines Zentrallabors eine andere moderne Variante der Diagnostik dar. Sie ist entstanden aus der medizinischen Notwendigkeit einer zeitnahen Bestimmung von Parametern in Nähe des Patienten, zur unmittelbaren Ableitung einer Diagnose bzw. therapeutischer Konsequenzen aus den Ergebnissen. Diese Notwendigkeit resultierte aus der technischen Entwicklung klinischer Laboratorien, die zu einer Zentralisierung der Labordiagnostik geführt hat. Das Parameterspektrum wächst hierbei stetig, die Messmethoden sind teilweise hochkomplex und die Ergebnisse werden immer präziser. Bei Analysen in klinischen Zentrallabors jedoch selten ein schnelles Ergebnis zur Verfügung. Dies liegt unter anderen am Probentransport zum Zentrallabor und einer längeren Analysezeit aufgrund des hohen Probenaufkommens.

Zur schnellen Diagnostik und Interventionsableitung ist das Parameterspektrum von POCT-Systemen in den letzten 20 Jahren, parallel  zur Zentralisierung der Laboratoriumsmedizin, stark angewachsen und wird durch die Miniaturisierung von Laborgeräten und –verfahren ermöglicht.

Merkmale von POCT (modifiziert nach [1][2])
  • Durchführung von Laboranalysen in unmittelbarer Nähe zum Patienten
  • Durchführung von Laboranalysen außerhalb eines Laboratoriums
  • Ohne Probenvorbereitung und meist mit Vollblut als Untersuchungsmaterial (kapillare Blutentnahme und geringes Probenvolumen möglich)
  • Mit Messgeräten, die für Einzelprobenmessungen vorgesehen sind
  • Ready-to-use-Reagenzien
  • Einfach zu bedienende Messsysteme (keine medizinisch-technische Qualifikation für die Gerätebedienung notwendig)
  • Rasche Verfügbarkeit der Ergebnisse
  • Zeitnahe Ableitung der Ergebnisse auf eine Diagnose und Konsequenzen

 

POCT im Sport

Vorteile des POCT sind die einfache Bedienbarkeit und die gute Transportfähigkeit der Geräte, sowie die sofortige Verfügbarkeit der Ergebnisse. Des Weiteren ist von Vorteil, dass für die meisten POCT-Geräte neben Speichelproben auch (kapillares) Vollblut als Untersuchungsmaterial eingesetzt werden kann.  Für diese minimal-invasiven bzw. non-invasiven Probenentnahmen muss kein ärztliches Fachpersonal zur Verfügung stehen und sind wenig belastend für den zu Untersuchenden. Die Einsatzgebiete von POCT wachsen aus diesem Grund auch außerhalb des Krankenhauses und werden zunehmend im sportlichen Kontext eingesetzt.

Einsatzbereiche des POCT (modifiziert nach[1][2])
Im Krankenhaus Außerhalb des Krankenhauses
·       Intensivstation, OP/ Aufwachraum

·       Kreißsaal, Neugeborenenstation

·       Notaufnahme / Spezialambulanz

·       Radiologie / Endoskopie

·       Auf den Stationen

·       Außerhalb der Dienstzeit des Labors

·       In Krankenhäusern ohne eigenes Labor

·       Beim Notarzteinsatz

·       Ambulante Pflege

·       Apotheke

·       Medizinische Dienste

·       Blutspendedienste

·       Patientenselbstkontrolle

·       Katastrophenschutz, Militär, auf See

Im Sport
·       Fitnessstudio

·       Sportmedizin, Trainingswissenschaft, Sportpsychologie

·       Hochleistungssport

·       An Standorten verschiedener Sportverbände/ -vereine

·       In der Trainingsphase/ im Trainingslager von Hochleistungssportlern

·       An Wettkampfstätten

 

Alle aufgeführten Einsatzbereiche im Sport können hierbei auf ein umfangreiches Parameterspektrum zurückgreifen, um den Status der Gesundheit, Leistungsfähigkeit, des Metabolismus, der Belastung und Regeneration beurteilen zu können.[3][4][5][6][7][8]

Die Messung von Blutlaktat beispielsweise in Fitnessstudios stellt ein klassisches Verfahren des POCT dar.

Der Einsatz von POCT in der Sportmedizin lässt schnelle Ergebnisse und eine zeitnahe Interpretation, beispielsweise hinsichtlich des Gesundheitsstatus in Anwesenheit des Athleten, zu.

In der Trainingswissenschaft wird von der einfachen Bedienbarkeit der Geräte und minimal-invasiven Probenentnahme profitiert, wodurch eine zeitlich engmaschige Probenentnahme, je nach Untersuchungsdesign, ohne ärztliches oder medizintechnisch ausgebildetes Personal, möglich ist.[8]

In der Sportpsychologie wird POCT in den letzten Jahren vermehrt zur Analyse von Speichelparametern verwendet.

Im Hochleistungssport bietet POCT den Vorteil, dass es nahezu an jedem Trainingsort eingesetzt werden kann.[8]

POCT-Systeme sind gut zu transportieren und daher sowohl an den Vereinsstätten der Sportler, als auch im Trainingslagern einsetzbar.[8]   Dies ermöglicht den Einsatz eines einzigen POCT-Gerätes für einen bestimmten Parameter und schließt Fehler durch die Verwendung verschiedener Geräte (die eventuell einen anderen Standardfehler aufweisen) aus.

Parameterspektrum

Parameterspektrum des POCT (modifiziert nach [1]):
·       Hämatologie Leukozyten, Hämoglobin, Eryhtrozyten, Hämatokrit, Thrombozyten
·       Anämie Diagnostik Ferritin
·       Akute Phase Proteine CRP
·       Metabolite Cholesterin, Triglyceride, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure, Bilirubin, Laktat, Ammoniak
·       Säure-Basen-Haushalt pH, pCO2, pO2 (oft in Kombination mit Elektrolyten, Metaboliten und CO-Oxymetrie
·       Elektrolyte Na+, K+, Cl, ionisiertes Ca2+, ionisiertes Mg2+
·       Enzyme CK, AST, ALT, LDH, Amylase, alkalische Phosphatase
·       Kardiale Marker Myoglobin, CK-MB, Troponin T und I, natriuretische Peptide (BNP/NT-pro-BNP)
·       Hämoglobinfraktionen CO-Oximetrie
·       Hormone Testosteron, Cortisol, TSH
·       Oxidativer Stress FORT-Test (Hydroperoxide), FORT-Test (Trolox)
·       Speicheldiagnostik Cortisol, IgA, Alpha Amylase
·       Parameter der Diabetes Diagnostik, Hämostaseologie, Allergiediagnostik, Medikamenten- und Drogenscreening,

Infektiologie, Fertilität, Urin- und Stuhldiagnostik.

Gerätetypen

Die Gerätetypen des POCT reichen von Handgeräten („Handhelds“) bis hin zu Tischgeräten („bench top“ Systeme), die auch für die Sportwissenschaft und den Hochleistungssport als neue Diagnostikmethode zur Verfügung stehen und ist sehr vielfältig (s. hierzu [1]). Viele Parameter können bei diesen entweder als Einzeltest oder müssen in Kombination mit anderen gemessen werden. Vor diesem Hintergrund spielt die Berechnung von Kosten / Nutzen beim Einsatz von POCT eine große Rolle, denn als Einschränkung des POCT können an dieser Stelle die meist höheren Kosten pro Messung im Vergleich zu denen einer Messung im Laboratorium genannt werden. Außerdem sollte darauf hingewiesen werden, dass es speziell für die Sportwissenschaft sicherlich weitere relevante Biomarker gibt, die jedoch mit POCT nicht gemessen werden können, da die Entwicklung des POCT den oben erwähnten Ursprung in der Notfallmedizin hat. Die Kombination der Parameter, die mit einem einzelnen Gerät gemessen werden können, ist somit auf diese ausgelegt. So muss beispielsweise für die gleichzeitige Messung von Creatinkinase (CK) und Myoglobin, wie sie mittlerweile in vielen Bereichen des Sports zur Beurteilung der muskulären Belastung angewendet wird derzeit auf zwei verschiedene Geräte zurückgegriffen werden, da die Gleichzeitige Analyse dieser Parameter für die Notfallmedizin irrelevant ist. Nichtsdestotrotz erfährt das POCT aufgrund seiner besonderen Merkmale und damit verbundenen Vorteile im Hochleistungssport immer mehr Aufmerksamkeit.

Einzelnachweise

  1. Luppa PB, Hrsg. POCT - Patientennahe Labordiagnostik. 2. Aufl. Berlin, Heidelberg: Springer-Verlag Berlin Heidelberg; 2012
  2. Junker R, Schlebusch H, Luppa PB. Point-of-care testing in hospitals and primary care. Deutsches Arzteblatt international 2010; 107: 561 – 567→ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2936038/
  3. Banfi G, Colombini A, Lombardi G et al. Metabolic markers in sports medicine. Advances in clinical chemistry 2012; 56: 1 – 54→ https://www.researchgate.net/publication/221683745_Metabolic_markers_in_sports_medicine
  4. Brancaccio P, Lippi G, Maffulli N. Biochemical markers of muscular damage. Clinical chemistry and laboratory medicine 2010; 48: 757 – 767→ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20518645
  5. Brancaccio P, Maffulli N, Buonauro R et al. Serum enzyme monitoring in sports medicine. Clinics in sports medicine 2008; 27: 1→ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18206566
  6. Hayes LD, Grace FM, Baker JS et al. Exercise-induced responses in salivary testosterone, cortisol, and their ratios in men: a meta-analysis. Sports medicine (Auckland, N.Z.) 2015; 45: 713 – 726→ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25655373
  7. Meister S, Faude O, Ammann T et al. Indicators for high physical strain and overload in elite football players. Scandinavian journal of medicine & science in sports 2013; 23: 156 – 163→ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21812823
  8. Sperlich B, Achtzehn S, Marées M de et al. Load management in elite German distance runners during 3-weeks of high altitude training. Physiological reports 2016; 4→ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4926021/