Selbstregulationsfähigkeit  

Selbstregulationsfähigkeit

Als Selbstregulation bezeichnet Baumeister (2002) sämtliche unbewussten und bewussten Prozesse (inklusive Gedanken, Emotionen und Handlungen) zur Veränderung, Unterdrückung, oder Umwandlung von Verhalten zum Erreichen eines Ziels oder Standards.[1] Zentrale Annahme ist es, dass es sich bei der Selbstregulation um Prozesse handelt, die von einer erschöpflichen Ressource nähren. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle lässt also im Verlauf des Regulationsprozesses nach.[2]

Da Selbstregulation auf das Erreichen von Zielen und Unterdrücken von störenden Einflüssen ausgerichtet ist, besitzt es hoch funktionalen Charakter. Tangney, Baumeister, & Boone (2004) fanden, dass interindividuelle Unterschiede in der Fähigkeit zur Selbstkontrolle daher mit einer hohen Zahl an sozialen und persönlichen Anpassungsfaktoren einhergehen, wie beispielsweise besseren Schulnoten und weniger delinquentem Verhalten. In einer Längsschnittstudie konnte festgestellt werden, dass Selbstregulationsfähigkeit Einfluss auf besseren Schulnoten, weniger Prokrastination, Stress und Gesundheitsproblemen hat.[4]

Ebenfalls wird angenommen, dass Selbstregulation trainierbar ist: Muraven, Baumeister, & Tice (1999) ließen dazu Personen über den Zeitraum von zwei Wochen Aufgaben zur Verbesserung  zur Selbstregulationsfähigkeit, wie das Nachhalten von Mahlzeiten, die Regulation von Emotionen und das Achten auf die Körperhaltung ausführen. Diese Personen erzielten am Ende dieser Intervention in Aufgaben zur Selbstkontrolle bessere Ergebnisse als eine Kontrollgruppe.[5]

Messung von Selbstregulationsfähigkeit

Analog zum Konzept der Selbstregulationsfähigkeit nach Baumann wurde die Self Control Scale entwickelt,[3] die auch in einer deutschen Kurzversion verfügbar ist (der Brief Self Control Scale (Deutsche Version) von Bertrams & Dickhäuser, 2009).[6]

Die deutsche Kurzfassung umfasst 13 Items, die auf einer 5-stufigen Skala von „stimmt nicht“ bis „stimmt genau“ beantwortet werden. Dabei soll eine Selbsteinschätzung zur Selbstregulation gegeben werden, z.B. „Ich kann Versuchungen gut widerstehen“, „Ich kann erfolgreich auf langfristige Ziele hinarbeiten“. Trotz der geringen Itemzahl kann die interne Konsistenz der Brief Self Control Scale in der deutschen Version mit α = .77 als zufriedenstellend bezeichnet werden.[7]

Einzelnachweise

  1. Baumeister, R. F. (2002). Ego depletion and self-control failure: An energy model of the self’s executive function. Self and Identity, 1(2), 129–136.→ http://www.communicationcache.com/uploads/1/0/8/8/10887248/ego_depletion_and_self-control_failure-_an_energy_model_of_the_sels_executive_function.pdf
  2. Baumeister, R. F. (2010). The self. In R. F. Baumeister & E. J. Finkel (Hrsg.), Advanced social psychology: The state of the science. (S. 139–175). New York, NY, US: Oxford University Press.
  3. Tangney, J. P., Baumeister, R. F., & Boone, A. L. (2004). High Self-Control Predicts Good Adjustment, Less Pathology, Better Grades, and Interpersonal Success. Journal of Personality, 72(2), 271–322.→ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15016066
  4. Tice, D. M., & Baumeister, R. F. (1997). Longitudinal study of procrastination, performance, stress, and health: The costs and benefits of dawdling. Psychological Science, 8(6), 454–458.→ http://www.jstor.org/discover/10.2307/40063233?sid=21106215577223&uid=3737864&uid=4&uid=2
  5. Muraven, M., Baumeister, R. F., & Tice, D. M. (1999). Longitudinal improvement of self-regulation through practice: Building self-control strength through repeated exercise. The Journal of Social Psychology, 139(4), 446–457.→ http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10457761
  6. Bertrams, A., & Dickhäuser, O. (2009). Messung dispositioneller Selbstkontroll-Kapazität. Diagnostica, 55(1), 2–10.
  7. Beauducel, A., Strobel, A., & Brocke, B. (2003). Psychometrische Eigenschaften und Normen einer deutschsprachigen Fassung der Sensation Seeking-Skalen